Leitwand "Posthof", Trier (D)

Kategorie :

Sonderbauten

Projekt :

Neugestaltung der Posthoffassade mit dem Neubau einer Leitwand als revisionierbares Orientierungssystem innerhalb des denkmalgeschützten Gebäudeensembles der ‘Alten Post’ in Trier (D)

Auftraggeber :

TrierCore S.A. (LUX)

Land :

Deutschland

Planungsbeginn :

11/2012

Realisierung :

08/2013 - 09/2014

Preis :

1. Preis


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projekt Neugestaltung der Posthoffassade mit dem Neubau einer Leitwand als revisionierbares Orientierungssystem innerhalb des denkmalgeschützten Gebäudeensembles der ‘Alten Post’ in Trier (D) auftraggeber TrierCore S.A. (L) leistungen HOAI LPH 1 - 5 WW+, Esch-sur-Alzette/Trier (L/D) projektsteuerung UnternehmensgruppeGilbers & Baasch GbR, Trier (D) generalunternehmer Matthias Ruppert Bauunternehmen, Esch (D) metallkonstruktion Minden Metallbau, Föhren (D) planungsbeginn 11/2012 realisierung 08/2013 - 09/2014 mehrfachbeauftragung 1. Preis

"Die einzige Möglichkeit, Menschen zu motivieren, ist die Kommunikation." (Lee Lacocca)

 

Fassade Posthof

Im Zuge der geplanten Nutzungsänderung der ehemaligen Hauptpost vom Callcenter/Schaltergebäude zur Einzelhandelsfläche wurde untersucht, mit welchen Mitteln die unternehmerische Forderung nach optimierter Schaufensterfläche und einzelhandelsoptimierter Erschließung des Gebäudes erreicht werden kann. Wie kann sich unter baudenkmalpflegerischen Gesichtspunkten und funktional notwendigen Aspekten die historische Kornmarktfassade in Zukunft präsentieren?
Um den Wünschen, auch der Stadt Trier, nach einem vielfältigen, hochwertigen und nachhaltigen Einzelhandelskonzept gerecht zu werden, wird das Schaufenster dem Kunden durch eine abgesenkte Brüstungshöhe näher gebracht. Die Brüstungen aller erdgeschossigen Fenster, einschließlich der Fenster des Telekomshops, werden um 50 cm abgesenkt. Beim Neuaufbau des durchgängigen, sockelbegrenzenden Fensterbankgesimses werden Originalteile soweit wie möglich wieder eingesetzt und fachgerecht ergänzt.
Einhergehend mit der sich ändernden Öffnungsgröße der erdgeschossigen Fensterelemente stellte sich die Frage der zu wählenden Fensterteilung der Kornmarktfassade. Auch hier sollten vordergründig baudenkmalpflegerische Belange Berücksichtigung finden aber auch den funktionalen Ansprüchen einer zeitgemäßen und ortstypischen Nutzung Rechnung getragen werden.
Die zeitlichen Epochen der ehemaligen Oberpostdirektion bzw. Hauptpost wurden an Hand von Fotodokumentationen und Auszügen aus dem Denkmalbuch der Stadt Trier analysiert. Es wurde ersichtlich, dass die vorhandenen Fensterteilungen erst ab den 1980er Jahren entstanden sind. Seit der Erbauung 1879 erfährt das Ensemble diverse Um- und Erweiterungsbauten, welche auch immer mit neuen Aufteilungen und dementsprechend neuen Fensteröffnungen bzw. Fensterformaten einhergingen. Die einzelnen Elemente wurden epochal so angepasst, dass ein der jeweiligen Zeit und Nutzung entsprechendes Gesamtbild erreicht wurde. Die vorgefundene, kleinteilige Fensterteilung ist historisch nicht bergründet, sie ist allenfalls historisierend und der gewünschten Einzelhandelsnutzung wenig zuträglich. Löst man sich nun von der konventionellen Vorstellung, dass der Umgang mit historischer Bausubstanz mit dem Einsatz von Sprossenfenstern einhergeht, entsteht Raum für ein interessantes Wechselspiel zwischen Alt und Neu.
Die neu geschaffenen Schaufenster unterwerfen sich der Gesamtfassade und stehen im Kontext zur historischen Bausubstanz. Die vormals abweisende Kornmarktfassade wird Teil des Platzes, der dadurch eine optische Erweiterung erfährt. In engster Abstimmung mit der unteren und oberen Baudenkmalpflege konnten die Schaufenster im Erdgeschoss dementsprechend weitgehend sprossenlos ausgeführt werden. Eine vertikale Teilung erfolgt lediglich bei den Tor-breiten Fensteröffnungen unter Aufnahme der Fensterfluchten der Obergeschoße. Man folgte den vielen guten Beispielen für den gelungen, zeitgemäßen Umgang mit historischer Bausubstanz in Trier und knüpft an die Philosophie auch von überregional bekannten Objekten an.



Leitwand Posthof
Stadt, Plätze, Baumbestände, flankiert von Gebäuden unterschiedlicher Nutzung; dazwischen Wege die Verbinden. Menschen bewegen sich auf diesen Wegen von Platz zu Platz und verweilen, strömen weiter; hierhin dorthin. Leiten, Orientieren, Informieren und Identifizieren sind die wesentlichen Merkmale eines funktionierenden Leit- und Orientierungssystems - für Mieter, Mitarbeiter, Besucher und Lieferanten gleichermaßen. Sowohl für die Hauptnutzer (Mieter von Einzelhandel, Gastronomie und Büroflächen) des alten Postgebäudes am Kornmarkt in Trier, als auch für Besucher des denkmalgeschützten Gebäudeensembles stellt die Wegeführung und Durchgängigkeit der Leitinformationen eine zwingende Notwendigkeit dar.

Gestaltungskonzept
Die Gestaltung und Verbesserung visueller Informationen und Wegeleitung erfordert eine einheitliche und gut durchdachte Konzeption vom Kornmarkt über den, innerhalb der Gebäudestruktur liegenden, Posthof bis hin zum rückwärtigen Gebäudeteil in der Metzelstraße. Das Konzept wird aus der bestehenden Gesamtsituation entwickelt: Ziel ist es, benutzerfreundliche und praxisnahe Möglichkeiten zu finden, die auf die örtlichen Gegebenheiten und Richtlinien der Stadt Trier abgestimmt sind und das historische Bauwerk mit zeitgemäßen Formen und einer Materialsprache mit einer eigenen Identität ergänzen und respektieren. Mit dem Hintergrund der denkmalpflegerischen Anforderungen wird das Leitsystem reversibel ausgeführt.

Ausführung
Großformatige, goldfarbene Metallplatten, perforiert mit grafischen Mustern, angelehnt an das Bild, der sich im Wind bewegenden Blätter, die in ihrer Dynamik zum Posthof hin strömen, wurden als Hauptelement des Leitsystems entlang des Durchgangs und auf dem Eingangstor zum Posthof montiert. Das Blattwerk stellt die Blätter der Felsenbirne dar, welche im Innenhof entsprechend der Außenraumplanung neu gepflanzt wurden. Durch die Fräsung und die dadurch gewonnene Tiefe ändern die Blätter je nach Lichteinfall den Schatten und erzeugen verschiedene Stimmungssituationen innerhalb des Durchgangs. Die individuelle Raumwahrnehmung kann durch ertasten und spüren der besonderen Haptik des Blattwerks verstärkt werden. Wie bei einer Ferrotypie, ein fotografisches Verfahren, wird dieser Augenblick festgehalten. Es entsteht eine optische Wechselbeziehung zwischen Posthof und Kornmarktplatz. Dieses Leitsystem-Element bildet mit einer Höhe von 3.60m eine Linie mit den Kämpfern der Platz zugeordneten Fensterelemente sowohl im geschlossenen, als auch im geöffneten Zustand. Durch diesen Bezug leitet die Installation die Passanten in den Innenhof und hat dementsprechend auch die notwendige Fernwirkung. Im geschlossenen Zustand gibt die durchlaufende Linie dem Auge halt, verbindet alle Elemente miteinander und unterstützt die horizontale Gliederung der Gebäudefassade. Die indirekte Beleuchtung inszeniert und unterstützt die Bewegungsströme am Abend; sie verleiht dem Durchgang in den Posthof die gewünschte Präsenz und motiviert die Kommunikation zwischen Gebäude und Nutzer.


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