Realschule, Kell am See (D)

Kategorie :

Bildung + Forschung + Lehre

Projekt :

Erweiterung der Realschule Plus, Kell am See

Auftraggeber :

Landkreis Trier-Saarburg

Land :

Deutschland

Fläche :

bgf 3.013 m²

Planungszeit :

10/2016 - 12/2016

Preis :

3. Preis


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projekt Erweiterung der Realschule Plus, Kell am See (D) auftraggeber Landkreis Trier-Saarburg (D) architektur alle leistungsphasen WW+, Esch-sur-Alzette/Trier (L/D), Schuh + Weyer Architekten/Schweich (D) Landschaftsarchitektur HDK Dutt + Kist GmbH/ Saarbrücken (D) bgf 3.013 m² bri 11.649 m³ wettbewerbsphase 10/2016 –  12/2016 wettbewerb 3.Preis

 

„ Bildung kann einen sehr glücklich und gelassen machen“

Zitat: Günther Jauch (Spiegel 2009)

 

Städtebauliches Konzept

Leitbild - Raum: der dritte Lehrer

Die Individualität des Standortes auf der Parzelle der bestehenden Realschule Plus in Kell am See zwischen Wiesenplätzchen, Schulstraße und Bartholomäusstraße ist geprägt von seiner Topografie und den dort angesiedelten Bestandsgebäuden verschiedener Baujahre. Die heterogene Umgebung aus Einfamilienhäusern und diversen Gewerbebetrieben gibt nur bedingt Vorgaben zu städtebaulichen Bezügen. Lediglich die Vorgabe, die Bestandgebäude zu erhalten und einzubinden nimmt Einfluss auf die Konzeption. Hieraus resultiert das Grundkonzept des Riegels für den Erweiterungsbau.

Mit der Erweiterung der Realschule Plus in Kell am See wird das pädagogische Konzept der Ganztagsschule als „Schulwelt“ umgesetzt. Die räumliche Struktur und die Organisation des Gebäudes folgen in erster Linie den Bedürfnissen der Nutzer. Verfolgt wird die Idee vom Raum als „dritter Lehrer“. Ganztagseinrichtungen, Unterrichtsräume und Freianlagen werden in unmittelbarer Nachbarschaft gemeinschaftlich nutzbar. In einem Gebäude entstehen differenzierte Lernorte und Aufenthaltsbereiche für den gesamten Tagesablauf. Dabei erfordert das Altersspektrum der Schüler jeweils altersgerechte, individuell gestaltete Raumerlebnisse und Freianlagen. Dieser pädagogische Ansatz findet sich in der Organisation und in der Architektur wieder. Es entsteht eine unverwechselbare Schule als Lebensort für junge Menschen, der zum Entdecken einlädt, Freude macht und offen ist für weitere Entwicklungen.

Bewusst an die nordöstliche Grundstücksgrenze gesetzt bildet der zweihüftige Erweiterungsbau durch seine räumliche Setzung, im Zusammenspiel mit den Bestandsgebäuden den neuen Campus der Realschule Plus in Kell am See. Auf Grund ihrer Stellung im Außenraum werden sie wesentliches und identitätsstiftendes Element im Quartier. Das Ensemble präsentiert sich mit starker räumlicher Präsenz und ordnende Mitte im heterogenen Umfeld.

Entstanden ist ein Entwurf, der seinen Nutzern durch seine kompakte Form und klare Strukturierung Orientierung und Geborgenheit bietet. Gleichzeitig erreicht man Offenheit und Transparenz durch den gezielten Materialeinsatz. Unter Berücksichtigung der Baukosten wird sowohl für das Bestandgebäude als auch für den Neubau eine ortstypische Putzfassade als WDV-System vorgeschlagen. Alternativ ist auch ein monolithisches Mauerwerk vorstellbar. Die stark beanspruchten Sockelbereiche der Gebäude werden durch eine Riemchenfassade geschützt. Der Verbindungsbau erhält eine großzügig verglaste Holzfassade, welche durch Ihre differenzierte Ausbildung das Treiben entlang der Schulstraße bzw. entlang dem Wiesenplätzchen einfängt und aus allen Geschossen den Blick in die Landschaft freigibt. Das pädagogische Konzept der Gesamtschule Plus, dass den Schülern einerseits ein solides Wissen vermittelt (Struktur und Orientierung) und andererseits das Leitbild der Schule (Offenheit und Weitblick), wird somit in der Architektur des Gebäudes wiedergespiegelt.

Das architektonische Konzept sieht eine kompakte Gebäudeform zur Reduzierung der bebauten Fläche und zugunsten einer maximalen grünen Umgebung vor. Durch die Architektur des Gebäudes, welche sich von den umgebenden Bauten klar unterscheidet, wird auf den ersten Blick die Sonderrolle als Schulbau erkennbar. Diesem Charakter wird durch die schlichte Ausbildung des Gebäudes entsprochen. Der architektonische Ausdruck wird vor allem durch die wertige, ortstypische Lochfassade bestimmt. Die Begrenzung von Konstruktion und Ausbau auf wenige, authentische Materialien steht für eine Ästhetik des Schlichten und Zeitlosen. Somit findet die Fügung des komplexen Raumprogramms seine Ausformung in einem homogenen Baukörper, mit klarer Grundfläche und schlichter Außenhülle wieder.

 

Erschließung / innere Organisation

Motorisiert erreichen Besucher den Campus über das Wiesenplätzchen und die Schulstraße. Die Zufahrt des Lehrerparkplatzes, mit seinen 28 Stellplätzen und dem Anlieferungsbereich befindt sich am Wiesenplätzchen. Busvorfahrt, Kiss+Ride–Zone, überdachte Fahrradstellplätze, Behinderten- sowie weitere Besucherstellplätze werden entlang der Schulstraße vorgeschlagen. Für wartende Schüler bieten sich zahlreiche Sitzgelegenheiten in der Treppenanlage und im Eingangsbereich an, ein Teil dieser auch unter dem Vordach.

Die Passarelle markiert den Haupteingang und definiert einen kleinen Vorplatz, von welchem die Schüler das zentrale Foyer des Gebäudes betreten. Zusammen mit der, der Foyerfläche zuschaltbaren Aula entsteht ein zentraler Treffpunkt dessen repräsentativer und einladender Charakter die Philosophie der Schule nach außen transportiert. Funktional sinnvoll sind auf allen Ebenen die WC-Anlagen sowie das Haupttreppenhaus mit seinem Aufzug zur vertikalen Erschließung der einzelnen Geschosse von Neu- und Altbau verortet. Als Gelenk fungierend, verteilen sich Schüler und Personal von hier aus auf die beiden Gebäudeteile. Die Passarelle und das Foyergebäude dienen als verbindende Elemente des neuen Schulkomplexes, welche jeweils im Bereich der Treppenhäuser des Bestandgebäudes anschließen. Die inneren Abläufe sind logisch miteinander verknüpft. Der Altbau bleibt in seiner vorhandenen Struktur unverändert. Es werden lediglich minimale Eingriffe vorgeschlagen und eine Neuorganisation erscheint nicht notwendig.

 

Funktionale Lösung

Der Neubau gleicht den vorhandenen Höhenunterschied im Geländeverlauf, zwischen Schulstraße und Wiesenplätzchen aus. Die eher ruhigen Lernbereiche sind im südwestlichen Gebäudeteil des Neubaus angesiedelt. Auf den Ebenen E+0 und E+1 sind die allgemeinen Unterrichtsräume, mit je vier Klassenräumen positioniert. Mit direktem Zugang zum Außenbereich befinden sich auf der Ebene E-1 der Ganztagesbetrieb und die dazugehörige Schulküche. Der Nordwestliche Gebäudeteil ist auf den Eben E+0 und E+1 für die eher „lauteren“ Fachklassen reserviert.

Alle Räume verfügen durch ihre sinnvoll dimensionierte Verglasung über einen Blick nach außen und werden ganztägig mit Tageslicht versorgt. Natürlich belüftet entsteht so eine helle und freundliche Arbeitsatmosphäre in den Räumen. Dort wo es notwendig ist, wird ein geeigneter Sonnenschutz eingeplant. Entsprechend einem ganzheitlichen Material- und Energiekonzept werden bewusst robuste, langlebige und nachhaltige Materialien sowie Oberflächen mit möglichst geringen Umweltbeeinträchtigungen ausgewählt, die pflegeleicht sind und über einen langen Zeitraum ansehnlich bleiben.  

Die Erschließungsflächen des Gebäudes, die durch ihre räumlich-gestalterische Ausformulierung eine funktionale Erweiterung zu den Unterrichtsräumen erfahren, unterstützen das gezielt gesetzte Maß an Transparenz. Dies führt räumlich und visuell zu einer Verflechtung von verschiedenen Raumzonen. Sowohl die interne Kommunikation, als auch die Interaktion zwischen Schule und dem angrenzenden Quartier werden positiv beeinflusst. Vielfältige Blickbeziehungen aus jedem Gebäudeteil erlauben Ein– und Ausblicke zu allen Schulbereichen, so dass das Schulumfeld gut einseh- und kontrollierbar sein wird.

 

Energiekonzept

Ziel des Energiekonzeptes ist die Erreichung des Passivhausstandards. Dies setzt u.a. eine sehr gut gedämmte Gebäudehülle, eine Begrenzung des Energieeintrages in das Gebäude, sowie eine mechanische Belüftung aller Funktionsbereiche voraus. Es wird eine zentrale RLT – Anlage vorgesehen, die über einen Erdkanal versorgt werden kann. Die Leitungsverteilung erfolgt weitgehend in den abgehängten Decken der Flure. Die Belüftung der Klassenräume erfolgt bedarfsgerecht (CO2 –gesteuert). Zudem können die Klassenzimmer auch über öffenbare Lüftungsflügel mit Frischluft versorgt werden. Die mechanische Lüftungsanlage wird auch zur Nachtluftspülung verwendet. Eine Betonkerntemperierung in den Decken der Nutzungsbereiche kann über eine Wärmepumpe auch zur Kühlung in den Sommermonaten aktiviert werden.

Als zentrale Erzeugungsanlage für alle neuen Gebäudeteile wird eine Erdwärmepumpe in Verbindung mit Sonnenkollektoren eingesetzt. Die Wärmeversorgung erfolgt hier vollständig über die Wärmepumpe, die, bei Niedertemperaturpotential durch Kollektoren unterstützt werden kann. Im Sommer erfolgt die Warmwasserbereitung ausschließlich über die Kollektoren, eventuell vorhandene Überschusspotentiale können zur Regenerierung des Erdreichs wieder eingelagert werden. Diese Kombination erhöht die Jahresnutzungszahl der Wärmepumpe deutlich. Zur vollständigen Versorgung des Campus durch regenerative Energieträger kann die vorhandene Heizanlage im Altbau auf eine Pellet-Heizanlage umgerüstet werden. Alle Gebäudeteile werden über Heizkörper erwärmt. Auf eine Fußbodenheizung wird wegen der unterschiedlichen, temporären Nutzung der verschiedenen Räume verzichtet, da dieses System sehr träge ist und eine eingeschränkte Regelungsfähigkeit aufweist.

Ergänzt werden kann die Energiebilanz des Komplexes durch die Integration von Photovoltaikmodulen, um die ökologische Gesamtenergiebilanz des Gebäudes zusätzlich zu verbessern. Die Photovoltaik Elemente können, optimal Ausgerichtet, auf dem Dach des Bestandsgebäudes montiert werden. Insgesamt werden eine robuste Baustruktur und eine einfache wartungsfreundliche Haustechnik vorgeschlagen, die eine wirtschaftliche Erstellung und wirtschaftlichen Betrieb erwarten lassen.

 

Freianlagen

Die Freianlagen strukturieren das Schulgelände in ablesbare Funktionsbereiche, welche den Schulhof klar einfassen und darüber hinaus eine hohe Übersichtlichkeit und Zugänglichkeit gewährleisten. Der Eingangsbereich und der Schulhof bilden eine gestalterische Einheit, die sich wie ein Teppich unter dem Neubau ausrollt. Hierdurch wird eine durchgehend begehbare Fläche geschaffen, die das Schulgebäude rundherum umspannt und einbindet, bis zu den angrenzenden Straßen reicht und so eine Erschließung und Durchwegung für das gesamte Schulareal vorgibt.

Der Schulhof selbst, ist als offener, fließender Raum konzipiert, der einen bewegungsfreundlichen Freiraum und flexible Nutzungsmöglichkeiten bietet. Die zentrale Fläche wird dabei von Möblierung frei gehalten und kann so, ergänzend zum Sport- und Spielangebot (Tischtennisplatten, Basketballkorb, Kletterwand) frei bespielt werden. Die Randbereiche stellen mit ihren geschwungenen Linien, schattenspendenden Bäumen, ausladenden Holzdecks sowie dem aufgelockertem Oberflächenbelag den entschleunigten Gegenpol dar.

Der Bolzplatz wurde auf die vorhandene Wiesenfläche südlich des Altbaus verlagert; der Lehrerparkplatz gliedert sich mit Zufahrt von der Straße „Wiesenplätzchen“ aus an den Schulhof an. Die Zugänglichkeit ist jeweils gewährleistet durch die befestigten Belagsbänder, welche als wiederkehrendes Gestaltungselement auch die Schulhofflächen durchziehen. Anschließend an den Neubau und den Ganztagsbetrieb finden sich die Gartenlabore, die Streuobstwiese sowie der „grüne Hörsaal“, welcher sich die Topografie des Geländes zu Nutze macht und seine Sitzblöcke in eine begrünte Böschung einbindet. Mit direktem Zugang aus dem Gebäude auf Ebene E -1 können die Funktionen als Erweiterung der Klassenräume in den Außenbereich gelesen werden.

 


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