Kategorie :
Bildung + Forschung + Lehre
Projekt :
Schulzentrum Leudelange mit Vor- und Grundschule, Tagesbetreuung (Maison Relais) und Tiefgarage
Auftraggeber :
Administration Communale de Leudelange
Land :
Luxemburg
Fläche :
bgf 7.432 m²
Planungsbeginn :
03/2008
Auftrag :
Architektur aller Leistungsphasen
Innenarchitektur
Preis :
1. Preis
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projekt Schulzentrum Leudelange mit Vor- und Grundschule sowie Maison Relais und Tiefgarage auftraggeber Gemeinde Leudelange (L) architektur alle leistungsphasen WW+, Esch-sur-Alzette (L), team 31, Luxemburg (L), LPH 6-8 landschaftsplanung terra.nova, München (D), LPH 1-3 tragwerksplanung TECNA, Luxemburg (L), haustechnik Siegel Schleimer, Aspelt (L), Phase 1 - bgf 2.485 m² bri 9.680 m³ Phase 2 - bgf 4.947 m² bri 19.674 m³ bauwerkskosten netto 14.237.156 € gesamtkosten brutto 20.719.049 € planung phase 1 06/2014 – 03/2018 planung phase 2 06/2014 - 12/2020 realisierung phase 1 04/2017 – 09/2020, realisierung phase 2 12/2020 – 09/2024 wettbewerb 2-phasen realisierungswettbewerb 1.Preis mit anschließender Beauftragung für LP 1-9, renderings Rendertaxi, photos Linda Blatzek
Einleitung
Im Auftrag der Gemeinde wurde eine moderne, pädagogisch zukunftsfähige Bildungslandschaft nach dem integrierten Modell in zwei Phasen geschaffen, welche einen wichtigen Baustein im Gesamtkontext der Revitalisierung des Ortskerns von Leudelange darstellt. Das integrierte Modell bedeutet die gemeinsame Nutzung eines Gebäudekomplexes mit den Funktionen Unterricht und Nachmittagsbetreuung (Maison Relais) sowie daraus resultierender Synergieeffekte. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, wurden Workshops mit Lehrerschaft und Erziehern sowie Gemeindevertretern und Vertretern des Ministeriums durchgeführt. Ein ‚Comité de Pilotage‘ aus Workshop-Teilnehmenden wurde gegründet, welches das Planerteam während der gesamten Entwurfsphase begleitete. Der integrative Planungsprozess stand hier für alle Beteiligten im Vordergrund und trug dazu bei, den neuen Schulkomplex im Sinne der zukünftigen Nutzer, der Kinder und Pädagogen, zu gestalten. Ziel war es, gemeinsam einen Ort für das Miteinander zu schaffen, der ästhetisch ansprechend und einladend ist, ohne die erforderliche Funktionalität zu vernachlässigen. Entstanden ist ein moderner Schulkomplex mit lichtdurchfluteten, architektonisch hochwertigen Räumen, welche sensibel und behutsam auf die individuellen Bedürfnisse seiner Nutzer eingehen. Räumlichkeiten, die das nötige Gefühl von Sicherheit, Schutz und Geborgenheit vermitteln und gleichzeitig ein Umfeld zum selbstbestimmten Lernen bieten sollen.
Städtebauliche Integration & Phasierungsplan
Mitten im Herzen der Gemeinde Leudelange, im Zentrum bestehender öffentlicher Infrastrukturen, wie dem Rathaus, der Kirche und der Rue du Lavoir als eine der Hauptverkehrsadern des Ortes, entstand in den letzten Jahren eine substanzielle Erweiterung der bereits bestehenden Lernlandschaft.
Die gemeinsam mit dem Bauherren gewählte mehrphasige Realisierung des Projektes ermöglichte einen reibungslosen Fortlauf der bestehenden Funktionen sowie den Verzicht auf eine kostenintensive, für Lehrer, Erzieher und Kinder unkomfortable Container-Lösung zur Deckung des Platzbedarfes während der Bauphasen. Die Gesamtbaumaßnahme war in jeder Phase seiner Entwicklung, Planung und Umsetzung von den Herausforderungen, die der laufende Betrieb einer bestehenden Struktur mit sich bringt, begleitet und verlangte dahingehend eine optimierte, vorrausschauende Planung, um den Betrieb und die Sicherheit für alle Nutzer im Umfeld zu gewährleisten.
Die erste Phase wurde dabei im September 2020 zum neuen Schuljahr seinen Nutzern übergeben. Die Bauarbeiten zur Phase II haben unmittelbar im Anschluss begonnen und wurden im November 2024 abgeschlossen. Parallel erfolgte die Neugestaltung des gesamten Außenraums, welcher zum Schulanfang im September 2025 abgeschlossen werden konnte. Die öffentliche Verkehrsanbindung in der Rue du Lavoir wird in naher Zukunft den neuen Begebenheiten angepasst werden.
Phase I
Die erste Phase als dreigeschossiges Kopfgebäude beherbergt heute das Schülerrestaurant und einen Lehrer- und Erzieherbereich auf Schulhofniveau, eine Bibliothek und vier Gruppenräume im Obergeschoss, sowie eine Produktionsküche mit ihren Nebenfunktionen und Technikraümen im Untergeschoss auf Straßenniveau der Rue du Lavoir. Das Unter- und Erdgeschoss erhielten dabei von Beginn an ihre finalen Funktionen. Die Gruppenräume im Obergeschoss nahmen übergangsweise die Kinder der Précoce und der Préscolaire auf. Vorbereitend für die Realisierung der Phase II konnten im Anschluss die pavillonartigen ehemaligen Gebäude der Précoce und Préscolaire abgerissen werden und somit Platz für den Neubau geschaffen werden. Der zweigeschossige, gläserne, später als Verbindungsbau konzeptionierte Eingangsbereich dient gleichzeitig der Adressbildung, als Empfang und als Indoorspielplatz für die Kinder.
Phase II
Mit Fertigstellung des zweiten Gebäudes, sprich der finalen Flächen für die Schüler aus Précoce und Préscolaire, konnten diese umziehen und das Obergeschoss des Gebäude 1 mit vier Gruppen des Zyklus II und einer Bibliothek belegt werden. Im Untergeschoss auf Straßenniveau der ‚Rue du Lavoir‘ befinden sich die Räumlichkeiten für die Ateliers der Grundschulkinder (Musik, Holz/Werken, Theater, Makerspace und Nassraum). Fünf Gruppenräume sowie vier Ateliers für Précoce und Préscolaire sind auf der Schulhofebene untergebracht.
Ausblick Phase III
Der Umzug des Zyklus II aus der bestehenden Schule brachte einen Raumgewinn für die jetzt noch dort untergebrachten Zyklen III + IV. Es bleibt die Möglichkeit für eine dritte Projektphase, welche im Rahmen des Wettbewerbs in Form einer Sanierung und Modernisierung des Bestandsgebäudes mit Anschluss eines zusätzlichen Erweiterungsbaus angedacht war.
Schulhof / Außenanlagen
Als lebendige Erweiterung der Schule fügen sich die beiden Schulhöfe in das natürliche Gelände ein und treten über Spiel, Natur und Bewegung miteinander in Dialog. Verbunden durch zwei Treppen und eine Rutsche entsteht eine spielerische Landschaft, in der jede Ebene zu einer eigenen Erfahrung einlädt: oben eine Welt der Fantasie, unten ein Raum für Entdeckungen.
Der obere Schulhof liegt unter leichtem Schatten von Sonnensegeln und bietet Sandkasten, Hängematten und einen Brunnen. Die Wahl von langlebigen, naturnahen Holzspielgeräten fügt sich harmonisch in die natürliche Farbpalette der Umgebung ein. Der vollständig durchlässige Boden sorgt dafür, dass Regenwasser natürlich versickern kann. Weiter unten öffnet sich der Hof zum Gemeinschaftsgarten, einer Abfolge von Inseln, die an einen Teich erinnern sollen: Netzübergänge, Ballspielflächen mit Hybridrasen – einem innovativen Material, das Komfort und Langlebigkeit vereint. Selbst Rückhaltebecken werden hier zu Abenteuerspielplätzen: Ein Balancierparcours verwandelt diesen technischen Bereich in einen Ort der Entdeckung. Die große Treppenanlage mit Sitzstufen verbindet diese beiden Welten. Sie lädt ebenso zur Bewegung wie zum Verweilen, Beobachten und Austauschen ein. Nach Schulschluss entdecken die Anwohner diesen offenen Ort neu: einen lebendigen Gemeinschaftspark, in dem Kinder, Familien und Spaziergänger sich begegnen können.
Tiefgarage
Die Tiefgarage, welche sich unter dem Gebäudeteil der Phase II und dem Schulhof befindet, bietet insgesamt 46 Stellplätze, darunter 3 barrierefreie Stellplätze (PMR)und 2 Stellplätze für Motorräder. Zusätzlich steht ein separater Fahrradraum zur Verfügung, der eine sichere und bequeme Abstellung von Rädern ermöglicht. Zwei Zugänge leiten die Nutzer zur Garage: Der Hauptzugang führt über das Treppenhaus, das in Richtung des Schulhofs und zur Gemeindeverwaltung zeigt, während der zweite Zugang über das Treppenhaus an der Rue du Lavoir erreichbar ist. Der Künstler Viktor Tricar hat die Tiefgarage mit farbigen Wandmalereien verschönert. Auf den Betonpfeilern der Parkfläche sowie der Wand des Haupttreppenhauses wurden kunstvolle Bilder gestaltet, die gleichzeitig als Wegweiser den Nutzern den Zugang zur Garage deuten, und die Garage als farbenfrohen Ort animieren.
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